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Photomalerei

Photomalerie bezieht sich auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Photografieren, was nichts anderes bedeutet als „mit Licht malen“.

Technisch machen wir Photomalerei, das ist eine Kombination aus Malerei und Fotografie, bei der mehrere Künstler, in einem kreativen Prozess, zusammenarbeiten.
Das Ergebnis sind Photobilder. Photobilder sind Fotografien, die aus vielen Schichten bestehen. Jede Schicht spiegelt einen Bearbeitungsschritt wider. Dabei wird jeder Bearbeitungsschritt fotografisch dokumentiert und bildet die Basis für den nächsten. So baut sich die Arbeit Schritt für Schritt auf. Welche Technik ein Künstler bei der Bearbeitung seiner Schicht einsetzt, bleibt ihm überlassen. Die Fotografie vereinigt alle angewendeten Techniken zu einem Photobild. 
Inhaltlich ist für uns das Konzept der Kollaboration maßgeblich. Mit anderen Künstlern gemeinsam zu arbeiten, eröffnet immer wieder neue Perspektiven. Auch die Auseinandersetzung mit bestehenden Werken ist Bestandteil. So haben wir für unsere aktuelle Ausstellung Goethes Faust in die Gegenwart weiterentwickelt.

Der Prozess des Machens

Bei den gemeinsamen Arbeiten des Fotografen Horst Gatscher und des Malers Dirk von Burgsdorff spricht die Fotografie das abschließende Wort. Die besondere Methode, die beide Künstler für ihre „Photobilder“ entwickelt haben, besteht in einer Abfolge von malerischen Gestaltungen und dem darauf gerichteten fotografischen Blick. Dabei werden die Möglichkeiten von Beleuchtung, Blickinkel und Belichtungszeit formgebend eingesetzt. Meist wird die analoge Technik bevorzugt, bisweilen kommt die digitale Kamera zum Einsatz. Letzteres geschieht jedoch ohne Nachbearbeitung. Während ihrer Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Darstellungsmitteln erweitert sich der Aktionsraum beider Künstler. Der Maler sieht sein Bild mit fotografischem Blick, der Fotograf die Wirkung von Pinsel und Farbe. Am Ende steht ein Photobild, das die künstlerischen Entscheidungen des Malers und des Fotografen gleichermaßen enthält. Der Vorgang kann mit einem Gemälde beginnen, das Dirk von Burgsdorff auf einer Wand im gemeinsamen Atelier entwickelt. Ebenso kann ein Graffito, das die Künstler bei einem Aufenthalt in New York sehen, in ein Photobild einbezogen werden. In diesem Fall beginnt die Wahl bezüglich Ausschnitt, Licht und Perspektive bereits vor Ort. Nach dem abgeschlossenen Entstehungsprozess zeigen sich die Anteile von Malerei und Fotografie unterschiedlich stark sichtbar. Auf Beispielen wie dem Photobild „Versunken“  scheinen die Verhältnisse jedoch transparent zu sein.

In der Serie „Wessen Bote“ hat der Engel als Vermittler zwischen Gott und Mensch seinen dramatischen Auftritt. Die Herkunft der überirdischen Wesen liegt im Dunkeln und so treten auf den Arbeiten Flügel und Gesicht aus schwarzem Hintergrund hervor. Zu diesem Sujet musste das Szenarium für die fotografische und malerische Bearbeitung erst geschaffen, Federn montiert, Tücher als farbiger Hintergrund aufgehängt werden.  Die weiblichen Modelle für den jeweiligen Engel wurden zu weiteren Beteiligten des Prozesses der Bildentstehung. Auf „Wessen Bote III“ taucht aus dem Schwarz neben Frauenkopf und hellen Flügeln ein blauer Lichtstreifen auf. Mit dieser Malerei der anderen Art betont Horst Gatscher die themengemäße Atmosphäre des Unwirklichen. Dirk von Burgsdorff und Horst Gatscher  erweitern spielerisch die Bereiche von Malerei und Fotografie und stellen so deren gewohnte Charakterisierung in Frage.

Dr. Annemarie Zeiller

Interactions

Beim Ansehen einer malerischen Darstellung versucht der Betrachter automatisch die Anteile des Gesehenen und des Vermuteten zu ergründen und in Einklang zu bringen. Intuitiv wird hierbei der Malerei ein fiktionales Element unterstellt, während bei der Fotografie der dokumentarische Charakter angenommen und ihr damit mehr Glauben geschenkt wird. Mit Photobildern verfolgen wir einen fotografischen Ansatz. Nicht durch die Absicht, fotografischen Realismus herzustellen, sondern durch die Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen fotografischer und malerischer Wahrnehmung. Wir kombinieren fotografische, malerische und prozessuale Elemente gleichberechtigt.  Dies erhöht die Komplexität und Unvorhersehbarkeit im Entstehungsprozess. Wir bringen beide, oft gleichzeitig, unsere Ideen und Blickwinkel in die Entstehung des Photobildes ein.  Das Ergebnis ist oft überraschend und lässt eine eindeutige Zuordnung nicht mehr zu. Somit verliert die Fotografie augenscheinlich ihren dokumentierenden Charakter und wir erobern mit ihr das Reich der Fiktion.
Da weder analoge noch digitale Photobilder von uns nachbearbeitet werden, können sie aber genau dieses dokumentierende Element für sich beanspruchen – sie dokumentieren, aber nicht Realität sondern ihren Entstehungsprozess und die Interaktion der dabei beteiligten Künstler.

 Dirk von Burgsdorff & Horst Gatscher

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